Mindestlohn
Friday, May 2nd, 2008Ein leidiges Thema - manche wollen ihn, manche wollen ihn nicht, manche nennen das Gerechtigkeit, andere nennen das Ungerechtigkeit.
Da die menschliche Ansicht schon von sich aus relativ im Sinne der Relativitaetstheorie ist, muss man hier zwei verschiedenen Beobachtern (Urteilern) unterscheiden: Der Person der Unter- und Mittelklasse (zusammengefasst in der Arbeiterklasse) und der der Oberklasse (Kapitalist). (Streng genommen gibt es noch den 3. Beobachter, der keine Meinung dazu hat; dies hat aber so viel Sinn, wie imaginaere Lorentzfaktoren, also Sachen wie Tachyonen, um mal bei der Analogie zur Relativitaetstheorie zu bleiben.) Die Arbeiterklasse moechte, natuerlich, mehr Geld - wie koennte sie das nicht wollen? Ihre Kaufkraft steigt mit mehr Geld. Aber warum nennt das die Oberklasse schlecht, oder gar ungerecht? Sie bekommt das Geld ja wieder, da durch mehr Kaufkraft automatisch mehr gekauft wird - ergo wird man als irgendein beschissener Kapitalist, der sich einen Dreck um seine Arbeiter kuemmert, mehr Profit machen.
Nun, der Kapitalist nennt das schlecht, weil er kurzzeitig denkt - in kurzer Zeit moeglichst viel Gewinn: “Was, mehr Kosten?! Und wer sagt mir, dass die dann sicherlich mehr kaufen?! NEE!!!1!” Auch aus einem anderen Grund nennt er es schlecht: “Da koennten sich diese Arbeiter auch noch einbilden, dass sie etwas waeren und nicht nur dazu da sind, meine Waren zu produzieren und zu vertreiben!!1!”
Beide Gegenargumente des Kapitalisten sind irrational, egomanisch und nur so von der Ueberzeugung gefuellt, dass sie etwas besseres waeren, dass sie keine Fehler machen, dass auf eine laengere Zeitspanne geschoben nichts funktioniert. Die Oberklasse war eigentlich schon immer so - mit ihrer gewaltigen Macht und ihren großen Geldmengen konnte sie sich nie das Leben anderer vorstellen. Und wenn dann auch noch mehrere Generationen nacheinander zur Oberklasse gehoeren, so kommt schnell etwas wie “Minderleister” - oder auch schon in sogenannten Eliteuniversitaeten, die die menschenfeindliche Elite der Zukunft ausbilden.
Wieder das Bild des Flugzeugs des Kapitalismus: Aus hoeherer Kaufkraft folgen magerere Kapitalisten und eine hoeher steigende Maschine. Aus niedrigerer Kaufkraft folgen dickere Kapitalisten und eine fallende Maschine. Bei ersterem gilt der Mindestlohn, bei letzterem nicht. Nun, wenn der Mindestlohn bei einer sinngemaeßen Grenze eingefuehrt wird, die die Kapitalisten nicht zu brasilianischen Models werden laesst, und das Flugzeug gut steigen laesst, so haben wir doch eine perfekte Balance, sodass der Kapitalismus erst einmal nicht bruchlandet. (Wobei das eigentlich ganz gut waere.)

