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Thoreau zu lesen ist unbequem

Monday, June 23rd, 2008

Zumindest muss ich, trotz meines gigantischen Wortschatzes im Englischen, oft bei dict.leo.org nachschauen, was denn etwas bedeutet. Von dieser aeußerst eloquenten (*hust*) Person lese ich derzeitig “On The Duty of Civil Disobedience”. Der Text ist bisher recht nett; durch die Fußnoten, die die netten Leute von `panarchy.org’ rechts eingefuegt (Rechtsnoten? Passt nicht.) haben, versteht man auch gleich mehr.

Nebenbei: Ich bin ja sehr antinationalistisch gestimmt und werde deshalb nicht gerade wenig diskriminiert. Ich sehe den Nationalismus so, wie Marx die Religion sah; als Opium des Volkes. Und dieses Opium manifestiert sich heutzutage gerne im Fußball. Fußball ist per se nicht schlecht, obwohl es eigentlich von Natur aus ein `wir’ und `die’ mit sich bringt. Wenn es von normalen Menschen, die nicht gerade nach Leistung streben, gespielt wird, dann trinkt man auch nach dem Spiel mit dem Gegner (egal, ob gewonnen oder verloren) ein Bierchen, ohne sich nebenher die Birne einzuschlagen. Wenn das aber zu sowas kommt, wie es hier ist (Randale aufgrund des Verlierens der eigenen Mannschaft, Fernseher auf Ueberlautstaerke (ich konnte mit knapp 100m Distanz, obwohl meine Fenster geschlossen waren, diese idiotischen Fußballkommentare hoeren), und, natuerlich, Diskriminierung gegen Leute wie meiner einer), dann ist das nicht mehr normal; da geilen sich irgendwelche Nationalisten an ihren Siegen auf bzw. beschuldigen das (feindliche) Gewinnerteam irgendeiner Scheiße und demolieren dann Sachen, die aus dem jeweiligen Land kommen bzw. Personen der jeweiligen Nationalitaet gehoeren. Das ist das gefaehrliche daran.

Ich habe ja schon eines meiner Lieblingskritikthemen erwaehnt - Religion. Der Nationalismus ist eigentlich auch eine `Religion’; naemlich die Religion des `Vaterlandes’, welches unfehlbar ist und niemals verlieren wird; und wenn doch, so haben die anderen deutlich betrogen. Orwell hat sich ja auch mit Nationalismus beschaeftigt - und hat die Nationalisten schon mit verdammt irrationalen Vollidioten gleichgestellt. Und dabei hat er aber noch eine Unterscheidung gemacht, naemlich zwischen jenen und den Patrioten, die nur ihr Land moegen, aber es nicht als unfehlbar ansehen und auch nicht wollen, dass es um jeden Preis das Beste ist. Patrioten gehen ja noch - Nationalisten nicht. Und wir haben definitiv zu viele Nationalisten. Warum ist sowas schlimm? Zu viel Irrationalitaet (Ich schau auf dich, Wurzel 2!) ist nicht besonders gut fuer eine Gesellschaft. Irrationalitaet fuehrt irgendwann auch zu Willkuer - und Willkuer fuehrt gerne, falls die Mittel vorhanden sind, zu Ueberwachung, woraus mehr Willkuer folgt und evtl irgendwann in 1984 endet.

So long. Ich quaele mich mal weiter durch Thoreau.